Wo alles zusammenläuft - „Einstein“-Kurse erkunden den Kehler Hafen

Wirtschafts-, Erdkunde- und Gemeinschaftskunde-Kurs des Einstein-Gymnasiums nutzten das schöne Sommerwetter am Mittwochnachmittag, um gemeinsam eine geführte Tour durch den Kehler Hafen zu unternehmen. Dessen Dimension lässt sich leicht unterschätzen, liegt er doch scheinbar im Abseits der Stadt und abgeschottet durch Bundesstraße, Bahnhof und Trambrücke. Dass hier trotzdem alle Wege für Unternehmen zusammenführen, zeigte sich bereits zu Beginn des Rundgangs: Jürgen Preiß, schon seit Jahrzehnten auch für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Hafenverwaltung zuständig, warnte die Schülerinnen und Schüler vor Stolperfallen am Boden. So verlaufen im Kehler Hafen zahlreiche Gleise (42 Kilometer im gesamten Hafengebiet), LKWs befahren die Straßen und Auffahrten neben den drei Hafenbecken und auch um die Werfthallen herum wird umtriebig gearbeitet. Am Hafenbecken I konnten die Besucher einen Blick auf die aufgebrochene alte Kaimauer aus Sandstein werfen. Hier investiert die Hafenverwaltung Geld in die Sanierung, denn als Dienstleister für die ansässigen Unternehmen will sie natürlich gute Bedingungen für den Umschlag schaffen. Davon profitiert letztendlich auch das Land Baden-Württemberg – der Kehler Hafen ist Eigentum des Landes.

Um als Logistikdrehscheibe funktionieren zu können, benötigt der Hafen Anlegestellen, die der gestiegenen Frachtmenge und den höheren Decks Rechnung tragen: 3000 Tonnen und mehr kann ein Binnenschiff auf dem Rhein mittlerweile transportieren – damit können umgerechnet auf den Energieverbrauch weder LKW noch Bahn konkurrieren. Getrübt wird die Wirtschaftlichkeit der Binnenschiffe als Transportmittel allerdings dann, wenn der Wasserstand des Rheins Probleme schafft. Schönstes Sommerwetter im Juli und anliegende Schiffe im Hafenbecken – das bedeutete in der Vergangenheit meist, dass Phasen von Niedrigwasser die Schifffahrt ausbremsten. Dieses Jahr führte hingegen das Hochwasser zur mehrtätigen Sperrung des Rheins. Im und am Hafenbecken gab es für die „Einstein“-Schüler daher allerhand zu sehen, etwa wie tief ein beladenes Schiff im Becken einsinkt. Zuständig für die Messung des Gewichts, erklärte Preiß den Schülern, ist ein Eichmeister, der sich diesen Effekt vor und nach der Entladung zunutze macht. Für den mit Holzschnipseln beladenen LKW, der die „Einsteiner“ am Hafenbecken passierte, tat eine Fahrzeugwaage ihren Dienst, die in die Fahrbahn eingelassen ist.

Vorbei führte die Tour danach auch an kleinen Bergen von Flussspat aus Marokko, Steinkohle aus Kolumbien, riesigen Bauteilen der Tunnelbohrmaschinen von Herrenknecht und natürlich auch an den charakteristischen Schrottbergen: 69 Prozent betrug im Jahr 2020 der Anteil von Eisen- und Stahlwaren am Gesamtumschlag im Kehler Hafen. Das hängt mit dem Stellenwert der Badischen Stahlwerke hier zusammen. Preiß brachte es auf die Formel: „Man könnte sagen: Geht es dem Stahlwerk gut, geht’s dem Kehler Hafen gut.“ Angesichts des derzeitigen Baubooms steht es daher nicht schlecht um beide. Auch viele andere Unternehmen wie die Papierfabrik Koehler, Weltmarktführer Herrenknecht, Wohnmobilhersteller Bürstner, der Kugelhahn-Produzent RMA oder die Spedition Klumpp + Müller sorgen dafür, dass knapp 4500 Menschen ihren Arbeitsplatz im Kehler Hafen finden. Der siebtgrößte Binnenhafen in Deutschland schaut mittlerweile auf eine über 120-jährige Geschichte zurück.

[HBR]