Vorleseabenteuer zwischen Blauringoktopus-Gegengift und Flammenwänden

Wenn in der Winterzeit die Temperaturen sinken, steigt die Anspannung in den Klassenzimmern, denn an zahlreichen Schulen in ganz Deutschland wird der Sieger im Vorlesewettbewerb ermittelt. So trugen auch alle 6. Klassen am Einstein-Gymnasium zunächst den Klassenentscheid aus: Er stellt die erste Runde beim bundesweiten Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels dar, an dem etwa 600.000 Schüler*innen jährlich teilnehmen. Fünf Klassensieger*innen erreichten am „Einstein“ nach klasseninternem Wettkampf den Schulentscheid. Hier erwartete sie eine Jury aus Deutschlehrer*innen, unterstützt von Oberstufenschülerin Anna Klara Sanli und dem stellvertretenden Schulleiter Arne Bleckmann. Im Ersatzraum für das in Renovierung befindliche ETM (Schulbibliothek) saß zudem eine 5. Klasse als Publikum und lauschte gebannt den Leseproben.

Traditionell begann die neue Wettbewerbsrunde mit einer selbstgewählten Textstelle aus einem beliebigen Kinder- oder Jugendbuch. Drei Minuten Vorlesezeit standen den Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung. Drei Minuten, in denen sie mit ihrer Lesetechnik, Interpretation beim Lesen und der Textstellenauswahl überzeugen konnten. Wie in den vergangenen Jahren entspannte sich dabei bei allen Zuhörer*innen eine wilde Reise durch fantastische Welten:

Mit der Lesung von Greta Schmidt (Klasse 6a) erlebte die Jury die unheimliche Wiederauferstehung von Lord Voldemort in „Harry Potter und der Feuerkelch“. Maximilian Gröger (Klasse 6b) nahm das Publikum auf eine unwirtliche Ermittlung mit, indem er eine Textstelle aus „Die ??? und die Geisterinsel“ darbot. Von Menschen, die sich in Tiere verwandeln können, handelt die „Animox“-Reihe, aus der Nicolas Hahn (Klasse 6b) vortrug. Während es in seiner Lesung um das fehlende Gegengift für einen Blauringoktopus ging, wuchsen in der „Gespensterjäger“-Geschichte von Carlotta Rieber (Klasse 6d) Flammenwände immer höher in den Himmel. Hier musste ein „Grauenhaft Unbesiegbarer Blitzgeist“ bekämpft werden. Und mit Leila Heinzelmann (Klasse 6e) sahen sich alle Zuhörer*innen mit der Aussicht auf einen „Riss in der Zeit“ in der Erzählung „Mitternachtsstunde“ konfrontiert. Drohte hier alle Magie aus der Welt zu sickern, war beim Vorlesewettbewerb nur die erste Hürde gemeistert: Es folgte auf den Wahl- nun der Fremdtext. Alle fünf Kandidatinnen und Kandidaten mussten noch die Meisterprüfung bei jedem Vorlesewettbewerb ablegen: Aus einem ihnen unbekannten Buch eine Textstelle aus dem Stand flüssig und sicher sowie treffend in der Tonlage und Stimmung vortragen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man bei aller Unkenntnis des Inhalts auch noch Wörter wie „Aubergine“ und „Spezies“ oder Wendungen wie „dottergelber Pullover“ und „paralysiertes Kaninchen“ vorlesen muss.

Nach den Lesungen aus den Kinder- bzw. Jugendbüchern „Sieben Tage Mo“, „Wolf“, „Die Stadt der kleinen Kinder“, „Der war’s“ und „Hasenherz“ zog sich die Jury zunächst zur Beratung zurück. Hier war man sich einig, dass alle fünf Klassensieger*innen beachtliche Leistungen gezeigt hatten. Allerdings – hier erlauben die offiziellen Wettbewerbsregeln keine Ausnahme – kann nur eine Person für die nächste Wettbewerbsebene gemeldet werden. Auch hier wurde sich die Jury schnell einig über ein Ergebnis: Leila Heinzelmann hatte nicht nur den Wahl-, sondern auch den Fremdtext so spielerisch sicher und überzeugend in ihrer Intonation vorgetragen, dass sie den Sieg im Schulentscheid verdient hatte und das Einstein-Gymnasium als würdige Vertreterin beim Regionalentscheid repräsentieren wird. Arne Bleckmann verkündete dem Publikum die Entscheidung und zollte allen Teilnehmer*innen Anerkennung für ihre tollen Leistungen beim diesjährigen Vorlesewettbewerb. Folgerichtig empfingen alle auch einen Buchpreis und damit hoffentlich ein paar vergnügte Lesestunden – ganz entspannt ohne Publikum.

[Hbr]